Report-102

report 102

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Der Aufstieg des Südens. Umbruch in der globalen Machtverteilung?
erscheint:  August 2015
Umfang 32 Seiten
Kategorie:

Produktbeschreibung

Im Mai 2015 veranstaltete das isw sein internationales Forum: „Aufstieg des Südens – Umbruch in der globalen Machtverteilung?“ isw-report 102 dokumentiert die Beiträge der ReferentInnen.

Jörg Goldberg entwickelte seine These der „Neuerfindung des Kapitalismus im Süden“. Kapitalismus sei gekennzeichnet durch „Kapitalakkumulation und Klassenkampf“, die übrigen Merkmale des westlichen Kapitalismus, wie zum Beispiel das Privateigentum an Produktionsmitteln und die freie Konkurrenz, seien im Kapitalismus des Südens nicht oder kaum anzutreffen. Ausführlich ging er auf den Einwand ein, dass sich die Kapitalismusmodelle des Südens in einem Prozess hin zum „normalen“ Kapitalismus des Westens befänden. (Wird im vorliegenden Report wiedergeben.)

Anna Ochkina argumentierte, dass der Aufstieg der BRICS-Staaten vor allem unter Ausnutzung vorkapitalistischer sozialer Elemente gelungen sei. Diese Strukturelemente würden jedoch mit dem Prozess der Neoliberalisierung, der von den Eliten der BRICS-Länder durchgeführt werde, aufgelöst. Wenn die BRICS-Staaten den Neoliberalismus nicht überwinden würden, könnten sie kein bestimmendes Element einer alternativen Weltordnung werden. Boris Kagarlickij unterstützte diese These mit Argumenten zur Entwicklung Chinas.

Valter Pomar beleuchtete die Lage in Lateinamerika. Ein Sieg der BRICS-Länder über den kapitalistischen Westen, führte er aus, würde nicht per se zu einer gerechteren Weltordnung führen. Eine wichtige Voraussetzung wäre, dass die Arbeiterklasse in den einzelnen BRICS-Ländern eine führende Rolle spielte.

Walter Baier untersuchte die globalen Entwicklungen und die Rolle der Europäischen Union dabei. Für ihn verschieben sich die geopolitischen Gewichte im Rahmen des weltweiten neoliberalen kapitalistischen Modells. In der europäischen Geschichte stünden wir vor einem Wendepunkt: Das Modell der derzeitigen europäischen Integration mit seiner neoliberalen Austeritätspolitik könne nicht weiter aufrecht erhalten werden, es stehe kurz vor seinem Zusammenbruch.

Conrad Schuhler formulierte die These, dass wir mit der Gefahr eines dritten großen Krieges konfrontiert sind, weil der westliche Kapitalismus den Epochenumbruch hin zum Süden nicht kampflos hinnehme. Er mobilisiere seine wirtschaftlichen Potenzen (TTIP, TISA, TPP), die er zielgerichtet gegen die Konkurrenten des Südens einsetze. Er intensiviere den „Barbarendiskurs“, indem er ein „zivilisatorisches Kompetenzgefälle zwischen Nord und Süd“ konstruiere. Und er spiele immer offener die militärische Karte – die offizielle Nato-Formel heiße, die jetzige Weltordnung müsse „mit allen Mitteln, einschließlich, wo und wenn nötig, mit militärischen aufrechterhalten werden.

Inhalt

  • Jörg Goldberg/Frankfurt: Die Emanzipation des Südens – Die Neuerfindung des Kapitalismus in den Wirtschaftsmächten des Südens
  • Anna Ochkina/Moskau: BRICS – Kern einer alternativen Weltordnung?
  • Boris Kargarlickij/Moskau: Der chinesische Bumerang
  • Valter Pomar/Sao Paulo: Lateinamerika: Gegenentwürfe zur neoliberalen Globalisierung?
  • Walter Baier/Wien: Europa und die „Große Transformation“
  • Conrad Schuhler/München: Der Umbruch der Weltordnung und die Gefahr eines großen Krieges