Die 15 Reichsten haben so viel wie das halbe Deutschland

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• Privates Geldvermögen: 5,478 Billionen Euro (3. Quartal 2016)+5,0% (zu 3. Quartal 2015)
• 154 Vermögens-Milliardäre und 19 Milliardärs-Clans
• 1.199 Millionen Geld-Millionäre (2015): +5,1%

Zeichnung: Bernd Bücking. entnommen aus: Wirtschaftsinfo 51, S. 29

Mitte Januar sorgte die Studie der Entwicklungsorganisation Oxfam anlässlich des alljährlich in Davos tagenden Weltwirtschaftsforums (WEF) für Aufsehen und Aufregung. Nicht 62 Personen, wie im Vorjahr recherchiert, sondern die Top acht Multi-Milliardäre sind reicher als die halbe Welt. Diese acht reichsten Männer nennen 426 Milliarden US-Dollar ihr eigen. Die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung, 3,6 Milliarden Menschen, verfügt nur über 409 Milliarden US-Dollar. Den Unterschied zum Vorjahr begründet Oxfam damit, dass neue Vermögensdaten, insbesondere aus Indien und China zeigen, dass die Ärmeren deutlich weniger haben als bisher angenommen.

Diese himmelschreiende Ungleichverteilung lässt sich auch auf die nationale Ebene herunterbrechen. Gerade auch in den Industriestaaten fühlen sich immer mehr Menschen abgehängt; nicht zuletzt in Deutschland. Das Netto-Gesamtvermögen – Geldvermögen, Betriebsvermögen, Immobilienbesitz, abzüglich Schulden – beträgt hierzulande 8.600 Milliarden Euro (nach DIW-Wochenbericht 4/2016 Vermögensteuer, S. 83). Das reichste Prozent der Bevölkerung besitzt 32 Prozent des gesamten Vermögens (= 2.752 Milliarden Euro), das reichste 0,1 %, etwa 40.000 Haushalte) immer noch 16 Prozent (1.376 Milliarden). Die untere Hälfte der Bevölkerung besitzt nach DIW etwa 1 % bzw. nach Bundesbank 2,5 % (Bundesbank-Monatsberichte März 2016). Danach hat die ärmere Hälfte der deutschen Bevölkerung (42 Millionen Menschen) 86 Milliarden bzw. 215 Milliarden Euro (Bundesbank) als Netto-Gesamtvermögen.

Je nach Bezugsgröße ergibt sich eine unterschiedliche Zahl von Milliardären als Äquivalent: Bei der DIW-Zahl reichen die vier reichsten Familien – Quandt/Klatten 30 Mrd. Euro, Reimann 29 Mrd., Scheffler 21,5 Mrd. und Albrecht/Aldi Süd 20 Mrd. – um vermögensmäßig die untere Hälfte mehr als aufzuwiegen. Bei der Bundesbankgröße sind dafür die 15 reichsten Deutschen erforderlich: zusammen 215 Milliarden Euro (Berechnet nach manager-magazin – SH/2016 – „Die 500 reichsten Deutschen“).

Der Geld-Hochadel

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Zeichnung: Bernd Bücking. entnommen aus: Wirtschaftsinfo 51, S. 30

Das managermagazin schreibt zur letztjährigen Studie über die 500 reichsten Deutschen: „Satte Firmengewinne, gestiegene Unternehmenswerte und der anhaltende Immobilienboom haben Deutschlands Reichste auch in diesem Jahr wieder reicher gemacht. Das Vermögen der in der mm-Liste geführten Top 500 hat sich um 5,9 Prozent vermehrt: auf 692,25 Milliarden Euro. Ein geringerer Zuwachs als in den Vorjahren (2015 plus 7, 2014 plus 16 Prozent), aber immer noch deutlich über dem herrschenden Zinsniveau. Während die Großvermögen zulegen, nagt an den Spareinlagen der Normalbürger der Negativzins.“ (mm SH/2016, S. 5). Von 2013 bis 2016, stiegen die Großvermögen um 31 Prozent – die Sparbucheinlagen um weniger als ein Prozent. Um in die Oligarchie der Superreichen aufgenommen zu werden, musste man mindestens 150 Millionen Euro mitbringen. Im Durchschnitt besaß jedes Mitglied des Geld-Hochadels 1,38 Milliarden Euro (1.380 Millionen Euro).

2016 zählte das mm 154 Milliardäre und Multimilliardäre, 19 mehr als drei Jahre davor. Dazu kommen noch 15 Milliardärs-Sippen, wie die Porsches, Haniels, Siemens, Röchling, usw., mit insgesamt 95 Milliarden Vermögen. Pro Kopf beträgt das Vermögen der bis zu 1.800 Familienmitglieder (Brenninkmeijer) zwischen drei und 181 Millionen (Henkel).

Würde man auf die Top-100-Vermögen (692 Milliarden) plus die Vermögen der Milliardärsfamilien (insgesamt 95 Mrd. Euro), zusammen also 787 Milliarden Euro, eine Steuer von nur fünf Prozent erheben, nähme der Staat jährlich ca. 40 Milliarden zusätzlich ein. Und könnte das Geld für Bildung für Investitionen zur Verbesserung der Chancengleichheit und Qualifizierung von Zuwanderern ausgeben. Und die Steuer würde noch nicht einmal an die Substanz gehen, da sie unter dem jährlichen Vermögenszuwachs läge.

Die Steuer wäre umso mehr gerechtfertigt, als zwei Drittel der „Hochvermögenden“ – also nicht nur die Superreichen – bei Befragungen erklärten, dass sie ihr Vermögen einer Erbschaft verdanken (DIW-Wochenbericht 42/16, S. 1007). Das DIW kommt in einer Studie über „Hochvermögende“ zu dem Ergebnis: „Bei zwei Dritteln der befragten Hochvermögenden war die empfangene Erbschaft oder Schenkung (mit) maßgeblich für den Vermögensaufbau.“ (DIW Wochenbericht 42 2016, S. 999). Und: „Im Sinne einer Gewährung von Chancengleichheit für alle Bevölkerungsgruppen ist daher ein Überdenken der gegenwärtigen vergleichsweise milden Erbschafts- und Schenkungssteuer bei Hochvermögenden sinnvoll.“ (S. 1005). Um in der DIW-Studie als Hochvermögender zu gelten, musste der Haushalt Ende 2014 über ein frei verfügbares Geldvermögen von mindestens einer Million Dollar verfügen (S. 1007). Im Durchschnitt kam jeder Haushalt auf ein Gesamtvermögen von mehr als 2,9 Millionen Euro: 1,17 Mio. Geldvermögen, 0,61 Mio. Betriebsvermögen, 1,15 Mio. Nettoimmobilienvermögen. „Geld macht nicht glücklich“, heißt es im Volksmund. Es scheint aber doch ein gewichtiger Faktor für mehr Glück zu sein. In der Studie wurde auch nach der allgemeinen Zufriedenheit gefragt: „Hochvermögende wählen relativ häufiger die beiden obersten Werte der (Zufriedenheits-) Skala. Das bedeutet, dass die befragten Hochvermögenden im Durchschnitt mit ihrem Leben im Allgemeinen zufriedener sind als die Gesamtbevölkerung.“ (S. 1003).

Auszug aus isw-wirtschaftsinfo 51: Bilanz der Großen Koalition 2013 bis 2017