Rekord-Profite und Dividenden-Rekorde der deutschen Konzerne

Zeichnung: Bernd Bücking. entnommen aus: grafikdienst 11, S. 27
Zeichnung: Bernd Bücking. entnommen aus: grafikdienst 11, S. 27
Zeichnung: Bernd Bücking. entnommen aus: grafikdienst 11, S. 27

Die Unternehmens- und Vermögenseinkommen stiegen im vergangenen Jahr um 2% auf knapp eine dreiviertel Billion Euro (746 Milliarden). In den drei Jahren Große Koalition (2014 – 2016) machte der Zuwachs zehn Prozent aus. Nach der Jahresprojektion der Bundesregierung sollen sie 2017 noch einmal um 2,0 Prozent steigen.

Alles wird jedoch übertroffen vom Gewinnrausch der großen Konzerne. Ende Dezember 2016 taxierte das Handelsblatt (28.12.16) den Nettogewinn für alle 30 Dax-Konzerne mit 74 Milliarden – „wenn keine weiteren schwerwiegenden Wertberichtigungen hinzukommen“. Das würde einen Gewinnsprung von fast 50 Prozent (49,2%) bedeuten, denn im Vorjahr brachten es die Dax-Konzerne auf 49,6 Milliarden Euro Nettogewinn. Schon in den ersten drei Quartalen zeige sich die starke Leistung, „und das nicht nur bei den Dax-Konzernen, sondern auch bei den 100 umsatzstärksten Konzernen“ (HB, 28.12.16). Nach Berechnungen der Unternehmensberatung EY legten diese um 24 Prozent auf 89,5 Milliarden Euro zu. Drei der vier gewinnträchtigsten Konzerne sind Autohersteller: Daimler 9,4 Milliarden Euro, Volkswagen trotz des Dieselskandals 8,7 Milliarden, BMW 7,6 Milliarden. Nur die Telekom hat sich mit 8,3 Milliarden Euro Gewinn für die drei Quartale dazwischengeschoben. „2016 war insgesamt ein gutes Jahr für die deutschen Konzerne“, schlussfolgert Mathieu Meyer, Mitglied der Geschäftsführung bei Ernst Young (EY) (zit. nach HB, 28.12.16).

Schulden wie noch nie

Die Dax-Unternehmen aber türmten zugleich massiv Schulden auf. Die Firmen profitieren, wie der Staat, massiv von der EZB-Politik. Dadurch müssen sie für ihre Schulden immer weniger bezahlen. Der durchschnittliche Kreditzins für Unternehmen mit einer Laufzeit von fünf Jahren betrug im Januar 2008 5,39%; im Oktober 2016 dagegen 2,44% (HB, 14.12.16). „Insgesamt hat sich 2008 der durchschnittliche Zinsaufwand für die Dax-Konzerne von 684 auf 623 Millionen leicht verringert“, schreibt das Handelsblatt (14.12.16). „Im selben Zeitraum erhöhte sich aber die Gesamtverschuldung drastisch um knapp die Hälfte – 45% – auf inzwischen 613 Milliarden Euro“ (das sind nur die Schulden der 24 Industrie- und Dienstleistungsunternehmen, nicht der 6 Finanzkonzerne im Dax). Von 2001 bis 2007 sind die Schulden nur von 319 Milliarden auf 360 Milliarden Euro geklettert, plus 13 Prozent (ebenda). Durch die niedrigen Zinsen konnten die Dax-Konzerne erfolgreich wirtschaften. Die Profitibilitätsrate erhöhte sich zwischen 2008 und 2015 von 5,1 auf 6,7 Prozent. Etliche Firmen benutzen das billige Geld, um die Ausschüttungen zu erhöhen oder um eigene Aktien zurückzukaufen. Vielfach auch, um teure Übernahmen zu finanzieren, wie im Fall Bayer-Monsanto, wo Bayer voraussichtlich 50 Milliarden auf dem Kapitalmarkt aufnehmen muss, um den Deal zu stemmen.

Gefährlich wird es, wenn eine Zinswende kommt. Dann droht ein Gewinneinbruch und schlimmstenfalls die Pleite. Dann muss der Staat, d.h. der Steuerzahler, einspringen, der andererseits als kleiner Sparer bereits den Schaden von der Nullzinspolitik hatte. Scott Mather von der Allianz-Tochter Pimco weist auf die möglicherweise bösen Folgen des Verschuldungsrekords hin. Dem letzten Rekordjahr 2007 ist die große Finanzkrise gefolgt. In jedem Konjunkturzyklus sinken die Finanzierungskosten und machen Schulden noch verführerischer. „Aber dieses Mal machen die niedrigen Zinsen das besonders attraktiv. Das legt die Grundlage für den nächsten Aufschwung – oder den nächsten Zahlungsausfall“, so Mather (zit. nach FAZ, 29.12.16).

Im Dividenden-Rausch

„Stets findet Überraschung statt, da wo man´s nicht erwartet hat“ – reimte schon Wilhelm Busch. Erwartet wurden von den Wirtschaftsredakteuren bereits für das vergangene Jahr die Rekord-Dividenden-Summe aller Dax-Konzerne von 31,0 Milliarden Euro (siehe winfo 50, S. 21f). Erreicht wurden dann 29,2 Milliarden Euro. Dieses Jahr soll die 30-Milliarden- Marke geknackt werden: 30,7 Milliarden Euro sollen 2017 für das Geschäftsjahr 2016 gezahlt werden. Dies geht aus einer Prognose der Commerzbank hervor (HB, 24.1.17). „Doch Prognosen sind schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen“, wusste wiederum Karl Valentin. Die Dividenden-Festlegungen der Konzerne erfolgen je nach dem Termin der Hauptversammlungen zu Beginn des Jahres. Als gesichert gilt, dass die Ausschüttungen so hoch wie nie liegen. 22 Dax-Konzerne wollen die Dividende erhöhen, sechs halten sie unverändert und nur zwei Konzerne – Eon und Commerzbank – senken sie. Auch für Europa wird ein neuer Rekord erwartet: Die Unternehmen aus dem MSCI-Europe-Index 302 wollen 302 Milliarden Euro ausschütten. Die Top-Sechs-Dividendenzahler im Dax sind Daimler 3,6 Mrd., Allianz 3,4 Mrd., Siemens 2,9 Mrd., Telekom 2,8 Mrd. , BASF 2,7 Mrd., BMW 2,2 Mrd. Euro.

Über eine Milliarde Euro Dividende für zwei Aktionäre

Dem Quandt-Familien-Clan gehört neben anderen Firmen auch die BMW-Group, genauer: 47%. Seinen Reichtum hat er unter anderem der Kumpanei mit den Nazis und deren Hochrüstung, der Beschäftigung von Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen zu verdanken. Den Erben Stefan Quandt und seiner Schwester Susanne Klatten gehören heute 26 bzw. 21 Prozent der BMW-Aktien. BMW schüttet für das Geschäftsjahr 2016 jetzt im Neuen Jahr insgesamt 2,23 Milliarden Euro an Dividende aus. Der Shareholder Stefan Quandt erhält davon 581 Millionen und seine Schwester 469 Millionen Euro anteilige Dividende. Zusammen 1,05 Milliarden Euro. Aufs Jahr gerechnet sind die Beiden jede Nacht nach dem Schlaf um drei Millionen reicher. „Den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf“, heißt es schon in Bibel (Psalm 127,1). Um das Geld mit ehrlicher Arbeit zu verdienen, müssen 17.500 BMW-Angestellte – bei einem angenommen Gehalt von 60.000 Euro – ein Jahr lang hart arbeiten. Von diesem Milliardeneinkommen müssen die Quandt-Sprösslinge 25 Prozent Abgeltungssteuer = 262,5 Millionen bezahlen. Würden sie nach der Einkommensteuer mit dem Spitzensteuersatz von 45 Prozent besteuert, müssten sie 472,5 Millionen Euro an den Fiskus abliefern.

Arm dran ist dagegen der Porsche-Piech-Familienclan, der Eigentümer (52,2%) von VW, des größten Autokonzerns der Welt. Wegen der Verluste, Straf- und Entschädigungszahlungen in zweistelliger Milliardenhöhe, wurde die Dividende für das Geschäftsjahr 2015 auf den Erinnerungsposten von 0,12 Euro je Aktie reduziert; ein Jahr davor waren es 4,80 Euro. Der Familienclan musste deshalb im Vorjahr mit mageren 17 Millionen seinen Unterhalt bestreiten. Wäre da nicht noch Porsche gewesen – gewissermaßen die Dach-Firma über den VW-Konzern. Hier schlug der Vorstand wegen der Dieselaffäre ebenfalls eine niedrige Dividende von insgesamt 63 Millionen Euro vor. „Doch ungeachtet dessen hat der Aufsichtsrat unter Führung von Wolfgang Porsche die Ausschüttung mal eben um eine Viertelmilliarde von 63 auf 310 Millionen erhöht. Die Hälfte davon kassiert die Familie als Stammaktionäre“ (HB, 27.4.16). Man muss sich nur zu helfen wissen. Resümiert das Handelsblatt: „Es lässt die Familienholding wie einen Selbstbedienungsladen aussehen, in dem man sich nach Gutsherrenart versorgen kann“.