Trump und der Klimawandel

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© 2008 NASA Goddard Space Flight Center, Flickr | CC-BY

Am 07.08.2017 veröffentlichte die “New York Times“ den noch nicht freigegebenen Schluss-Entwurf des Climate Science Special Report, den zahlreiche hochrangige Wissenschaftler von 13 US-Bundesbehörden[1] und etlichen Universitäten[2] im Auftrag der Regierung verfasst haben. Ein derartiger offizieller Bericht zum Klimawandel und dessen Auswirkungen auf die USA wurde bisher alle 4 Jahre von der US-Regierung vorgelegt.

Doch in diesem Jahr gibt´s eine neue Situation: Der amtierende Präsident Trump ist bekennender “Klimaleugner“, d.h. er bezweifelt immer wieder die erdrückende wissenschaftliche Faktenlage eines von Menschen verursachten Klimawandels. Nun liegt dieser umfassende Bericht der Regierung zur Schlussabstimmung vor, die Wissenschaftler befürchten aber, dass ihre wissenschaftlichen Aussagen verfälscht oder der ganze Bericht unterdrückt wird. Deshalb kam es zu der eher ungewöhnlichen Vorabveröffentlichung des Entwurfes.

Dieser profunde, mehr als 600 Seiten umfassende Report bestätigt und verfestigt die bisherigen und nun schon seit längerem bekannten negativen Ergebnisse und Trends der globalen Klimawissenschaft und bricht sie auf die USA herunter: So wird in dem Report z.B. betont,

  • auch in den USA ist die Durschnittstemperatur seit 1980 drastisch angestiegen und die letzten Jahrzehnte waren die wärmsten seit 1500 Jahren.
  • die Evidenz für einen Wechsel des Klimas ist im Überfluss vorhanden, von der obersten Atmosphäre bis in die Tiefe des Ozeans und viele Evidenzlinien zeigen, dass menschliche Aktivitäten, speziell die Emission von Treibhausgasen, in erster Linie für den beobachteten und noch wesentlich stärker prognostizierten Klimawandel verantwortlich sind.
  • die Frequenz und Intensität von extremen Hitze- und Niederschlagsereignissen nimmt in den meisten kontinentalen Regionen zu.
  • die Ozeane nehmen derzeit mehr als ein Viertel des emittierten CO2 auf und verursachen damit eine Versauerung, mit potentiell sehr schädlichen Auswirkungen auf das maritime Ökosystem.
  • die Besorgnis über die Versauerung, Erwärmung und den Sauerstoff-Verlust im Ozean wächst mit dem wissenschaftlichen Verständnis… In einigen US-Küstenregionen kann dies noch schlimmer sein als im globalen Mittel, mit den entsprechenden Risiken für ernsthafte ökologische und ökonomische Konsequenzen.
  • die Oberflächentemperatur über Alaska und der Arktis hat sich in den letzten 50 Jahren doppelt so schnell erhöht wie die globale Durchschnittstemperatur. Dadurch taut der Permafrost auf und setzt zusätzliches CO2 und Methan frei.
  • der Eisverlust in der Arktis hat sich in den letzten Jahren weiter dramatisch beschleunigt. Menschliche Aktivitäten haben mit großer Wahrscheinlichkeit dominant zu diesem Rückgang beigetragen.
  • die mittlere globale CO2-Konzentration hat inzwischen 400 ppm überschritten, ein Level, das vor ca. 3 Millionen Jahre zum letzten Mal auf der Erde vorkam, als die Temperatur und der Meeresspiegel signifikant höher war als heute. Weiter anhaltende CO2-Emissionen in diesem Jahrhundert wie heute werden zu CO2-Konzentrationen führen, die es seit mehreren 10 Millionen Jahren nicht mehr auf der Erde gab.
  • mit den derzeitigen globalen CO2 Emissionsraten lassen sich die Temperaturziele des Paris-Abkommens in keiner Weise erreichen.

Damit und mit vielen weiteren Aussagen in dem Report widersprechen die Wissenschaftler direkt Präsident Trump und dem von ihm eingesetzten Chef der nationalen Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) Scott Pruitt, der ebenfalls ein bekennender Leugner des anthropogenen Klimawandels ist.

Wie wird Trump und seine Administration mit dem Report umgehen? Wird er ihn ganz unterdrücken oder ihn „nur“ verfälschen und relativieren? Auf jeden Fall wird er ihn auf seine Art kommentieren und sich ein weiteres Mal lächerlich machen. Unabhängig davon kann man jedoch davon ausgehen, dass er seine unverhohlene, brachiale Lobbypolitik für die Kohle-, Öl- und Gasindustrie der USA weiter fortsetzen wird.

Unabhängig davon ist es jedoch heute schon klar, dass Trump und seine Regierung die bisher schon viel zu schwachen politischen Maßnahmen der USA für einen konsequenten Klimaschutz rückgängig machen. So haben Trump und seine Gehilfen in der Regierung in seiner kurzen Amtszeit bisher schon knapp zwei dutzend Rechtsverordnungen zum Schutz von Umwelt und Klima aufgehoben. Zur Veranschaulichung seien hier einige erwähnt:

  • So genehmigte er die Dakota Access pipeline.
  • Analog genehmigte er die Keystone XL pipeline, immer mit dem Argument, Jobs in der Fossil-Industrie zu sichern und Energiesicherheit zu gewährleisten.
  • Nach Beschwerden der Kohle-Industrie hob er Beschränkungen auf, Abraum und Abfälle in lokale Flüsse zu kippen.
  • Auf die Intervention von Öl- und Gasfirmen hin hob Scott Pruitt die Pflicht zum Bericht über Methan-Emissionen auf.
  • Eine Beschränkung von neuen Pachtverträgen von öffentlichem Land für die Kohleindustrie wurde aufgehoben.
  • Der Schutz von Nebenflüssen und Feuchtgebieten unter dem Clean Water Act soll überprüft und eliminiert werden.
    usw.

Auf internationaler Ebene trat Trump aus dem Pariser Klimaabkommen aus, obwohl dieses ziemlich unverbindlich gehalten ist und bei weitem nicht der Notwendigkeit eines konsequenten globalen Klimaschutzes gerecht wird. Überdies hat die USA eigentlich weltweit die größte historische und aktuelle Klimaschuld zu verantworten, was Trump und seine Lobby-Regierung für Kohle, Erdöl und Gas noch weniger stört als seine Vorgänger-Regierungen. Im Unterschied zu diesen versucht er jedoch noch nicht einmal den Anschein zu erwecken, die wissenschaftlichen Fakten der eigenen Wissenschaftler und Bundesbehörden zur Kenntnis zu nehmen. Er vertritt eine offen reaktionäre und wissenschaftsfeindliche Politik.

So ist also die Situation heute. Die Vereinigten Staaten bedrohen nicht nur in Korea und Venezuela direkt den Frieden und drohen mit Krieg, sie verhalten sich auch in der Frage des Klimawandels national und international provozierend ignorant und absolut schädlich.

Der vorliegende Klimareport und die Tatsache der vorzeitigen Veröffentlichung zeigt jedoch, dass sich auch in den USA Widerstand gegen diese offensichtliche Unvernunft und einseitige Interessenpolitik zugunsten überholter und schädlicher Industriekonzerne regt. So zeigt neben der „scientific community“ der naturwissenschaftlichen Klimaforschung auch die Umwelt- und Klimabewegung in den USA, dass sie zur Gegenwehr und aktivem Widerstand bereit ist. Dazu wird sicher auch der neue Film von Al Gore „Immer noch eine unbequeme Wahrheit: Unsere Zeit läuft“ beitragen, der ab 07. September auch in deutschen Kinos gezeigt wird.

Es bleibt nur zu hoffen, dass sich auch andere Berufsgruppen in den USA ein Beispiel an der Standhaftigkeit der Klimawissenschaftler nehmen und gegen die Selbstzerstörung aufstehen.

Notwendig ist, dass die Klima-, Friedens- und Antirassismusbewegung noch mehr zusammenkommen und dazu beitragen, dem Unwesen Trump ein Ende zu bereiten.

[1] u.a.: National Science Foundation, NOAA Earth System Research Lab, NOAA National Centers for Environmental Information, NASA Headquarters, NASA Goddard Institute for Space Studies, Oak Ridge National Laboratory, Pacific Northwest National Laboratory, Lawrence Berkeley National Laboratory, DOE Office of Science, U.S. Global Change Research Program, National Center for Atmospheric Research, …

[2] u.a. Columbia University, University of Washington, North Carolina State University, Naval Postgraduate School,  Columbia University, Texas Tech University, Northern Arizona University, Rutgers University, University of Illinois at Urbana-Champaign, University of Maryland