Arbeitszeitverlängerung ist „einfach keine Lösung“

Zwar ist die Feiertagsdebatte fast noch harmlos im Vergleich zu Eichels tollkühnen Termingeschäften mit Pensionsverpflichtungen und Telekom-Aktien, aber sie zeigt, je verrückter die Ideen, desto größer die mediale Wirksamkeit. Warum die Abschaffung eines Feiertags zu zusätzlichem Wachstum führt, danach fragt sowieso keiner.

Es war Bundeswirtschaftsminister Clement, der bereits vor einigen Monaten mit der Feststellung überraschte, dass das für 2004 erwartete Wachstum zu 0,6 Prozentpunkten mit den kalendarisch bedingten vier zusätzlichen Arbeitstagen dieses Jahres zu erklären sei. Dies, so Clement, sei ein Beleg dafür, dass längere Arbeitszeit zu Wachstum führe. Da wollte Eichel natürlich nicht nachstehen. Wir schaffen einfach die Feiertage solange ab, bis es keine Arbeitslosen mehr gibt. Und wenn es sein muss, auch die Sonntage. Auch wenn die beiden von Amts wegen die höchsten Finanz- bzw. Wirtschaftspolitiker sind: Es ist blanker Unsinn, der jedoch eifrig von Prof. Sinn, dem Präsidenten des ifo-Instituts, von Konzernbossen, Unternehmerverbänden und Medien weiter verbreitet wird. Denn selbst Clement legte seiner Prognose zu Beginn des Jahres zugrunde, dass das Wachstum auf der Steuerung des Exports und einer geringfügigen Zunahme des privaten Verbrauchs basiert. Wie sollte es auch anders sein.

Arbeitszeit ist kein Wachstumsengpass. Im Gegenteil, längere Arbeitszeit führt zu weniger Jobs und mehr Arbeitslosigkeit. Es war jedoch nicht diese Eisicht, die den bayerischen Ministerpräsidenten Stoiber zum Schutzpatron aller bayerischen und deutschen Feiertage werden ließ. Er fordert statt dessen die generelle Rückkehr zur 40-Stunden-Woche und führte die 42-Stunden-Woche schon mal im bayerischen öffentlichen Dienst ein. Auf jeden Fall gibt es wieder eine muntere öffentliche Debatte über die Verlängerung der Arbeitszeit, während in den Betrieben ohne großes Aufsehen unbezahlte Mehrarbeitsstunden eingefordert werden. Schließlich ist „die globalisierte Gesellschaft keine Feiertagsgesellschaft“, äußert ein gewisser Alfred Tacke und drängt die Bundesregierung, mit der Streichung von Feiertagen nicht allzu lange zu zaudern. „Politik muss das Risiko eingehen, nicht wieder gewählt zu werden“, sagt er und weiß aus eigener Erfahrung, dass in diesen Kreisen das soziale Netz noch funktioniert. Schließlich hat er erst vor einigen Monaten seinen Job als Staatssekretär im Wirtschaftsministerium gegen den gut bezahlten Vorstandsposten beim Stromkonzern Steag eingetauscht.

In diesem Meer von Un-Sinn lässt der Chef von Siemens Österreich in einem Interview in der Zeitschrift „profil“ aufhorchen. Albert Hochleitner lehnt die 40-Stunden-Woche und das Streichen von Feiertagen ab und findet, dafür sei schlicht nicht genug Arbeit vorhanden. Angesichts unterausgelasteter Kapazitäten sei die Verlängerung der Arbeitszeit „einfach keine Lösung“. Bleiben würde „ausschließlich der negative Effekt einer Belastung unseres Arbeitsmarktes“. Da finde er es schon „vernünftiger, das vorhandene Arbeitsvolumen auf mehr Leute aufzuteilen“. In dieser Klarheit ist dies in Deutschland selbst von Gewerkschaften immer weniger zu hören.